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Der schmale Grat zwischen Liebe und Wahnsinn

Die Neurobiologie der Liebe: Ein Cocktail der Hormone


Liebe ist im Grunde ein komplexes neurochemisches Phänomen. Wenn wir uns verlieben, werden im Gehirn Botenstoffe und Hormone ausgeschüttet, die unser Verhalten und unsere Wahrnehmung stark beeinflussen:

  • Dopamin: Verantwortlich für Belohnung, Motivation und Glücksgefühle. Es erzeugt das euphorische Gefühl des Verliebtseins und treibt uns dazu an, die Nähe des geliebten Menschen zu suchen. Der Dopaminschub in der frühen Verliebtheitsphase ähnelt sogar dem, der bei Drogenkonsum ausgelöst wird – daher die Analogie zur „Sucht“.
  • Oxytocin und Vasopressin: Diese „Bindungshormone“ spielen eine Rolle bei der Entwicklung von Vertrauen, Geborgenheit und langfristiger Bindung. Sie sind wichtig für die Übergangsphase vom Verliebtsein zur tiefen, stabilen Liebe.
  • Serotonin: Interessanterweise sinkt der Serotoninspiegel in der Anfangsphase des Verliebtseins, ähnlich wie bei Zwangsstörungen. Dies könnte erklären, warum Verliebte oft zwanghafte Gedanken über die geliebte Person haben und sich kaum auf anderes konzentrieren können.

Diese neurochemischen Prozesse können dazu führen, dass wir uns in einem Zustand erhöhter Erregung, Fokussierung und manchmal auch einer Art „Rausch“ befinden, der von außen vielleicht „wahnsinnig“ wirken kann, aber im Grunde eine biologisch gesteuerte Phase ist.

Der Übergang von Liebe zu Obsession/Pathologie

Der „schmale Grat“ wird dann relevant, wenn die natürlichen intensiven Gefühle der Liebe in ungesunde oder pathologische Formen übergehen. Hier sind einige psychologische Konzepte, die das beleuchten:

  • Limerenz: Dies ist ein psychologischer Zustand, der von der Psychologin Dorothy Tennov geprägt wurde. Es beschreibt ein extremes, zwanghaftes Verliebtsein, das suchtartigen Charakter annehmen kann. Merkmale sind:

Zwanghafte Gedanken: Ständiges Denken an die Person, oft unkontrollierbar.

Intensive Sehnsucht und Angst: Eine tiefe Sehnsucht nach Gegenseitigkeit und große Angst vor Ablehnung.

Idealisierung: Das „limerente Objekt“ wird als perfekt idealisiert, negative Eigenschaften werden ignoriert („rosarote Brille“).

Ignorieren eigener Bedürfnisse: Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse treten in den Hintergrund zugunsten der geliebten Person.

Emotionale Abhängigkeit: Die eigene emotionale Verfassung hängt stark vom Verhalten des anderen ab.
Limerenz ist keine psychische Störung an sich, kann aber großes Leiden verursachen und Parallelen zu Zwangsstörungen oder Süchten aufweisen.

  • Erotomanie (Liebeswahn): Dies ist eine wahnhafte Störung, bei der die Person felsenfest davon überzeugt ist, von einer meist unerreichbaren Person geliebt zu werden (z.B. einem Prominenten oder einer fremden Person). Diese Überzeugung ist unerschütterlich und kann nicht durch logische Argumente oder Beweise widerlegt werden. Erotomanie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung und unterscheidet sich von obsessiver Verliebtheit oder unerwiderter Liebe.
  • Gaslighting: Obwohl kein primärer Begriff für den Übergang von Liebe zu Wahnsinn, kann Gaslighting in Beziehungen dazu führen, dass das Opfer an seiner eigenen Wahrnehmung zweifelt und sich „verrückt“ fühlt. Es ist eine Form der psychischen Manipulation, bei der die Täter gezielt die Realität des Opfers verdrehen, um Kontrolle zu erlangen. Das kann in sehr toxischen Beziehungsdynamiken auftreten.
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS): Menschen mit BPS erleben oft sehr intensive und instabile Beziehungen. Sie neigen dazu, andere Personen schnell zu idealisieren und dann abrupt abzuwerten, wenn sie sich zurückgewiesen fühlen oder Angst vor Verlassenwerden haben. Die extremen emotionalen Schwankungen und impulsiven Verhaltensweisen können für alle Beteiligten sehr herausfordernd sein und von außen als „wahnsinnig“ wahrgenommen werden, sind aber Ausdruck einer tiefgreifenden emotionalen Dysregulation.

Fazit

Der „schmale Grat“ zwischen Liebe und Wahnsinn lässt sich psychologisch durch die Intensität der Emotionen und deren Auswirkungen auf Denken, Fühlen und Verhalten erklären. Während die frühen Phasen der Liebe eine natürliche, euphorische „Verrücktheit“ mit sich bringen können, wird der Übergang zum „Wahnsinn“ dann problematisch, wenn die Gefühle suchtartig, zwanghaft oder wahnhaft werden, die eigene Autonomie einschränken oder zu destruktivem Verhalten führen.

Es ist wichtig, die Anzeichen zu erkennen, wenn Liebe nicht mehr bereichernd, sondern belastend oder schädlich wird, und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.


Die Verwandlung der Liebe:

Vom ersten Kribbeln zur festen Partnerschaft



Liebe – dieses eine Wort birgt so viele Phasen, Gefühle und Entwicklungen, besonders wenn du dich entscheidest, eine Beziehung einzugehen. Was am Anfang wie ein Feuerwerk der Emotionen wirkt, wandelt sich mit der Zeit, wird tiefer, komplexer und oft auch beständiger. Begleite uns auf dieser Reise und entdecke, wie sich die Liebe verändert, vom ersten Herzklopfen bis hin zur festen Partnerschaft, die vielleicht sogar in einer Ehe mündet.


Phase 1: Das erste Herzklopfen und die Verliebtheit – Der Rausch der Hormone


Erinnerst du dich an die Zeit, als du jemanden zum ersten Mal getroffen hast und es sofort gefunkt hat? Das ist die Phase des ersten Herzklopfens, der reinen Verliebtheit. Hier dominieren Biologie und Chemie: Dein Körper schüttet Botenstoffe wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin aus. Du fühlst dich euphorisch, energiegeladen, siehst die Welt durch eine rosarote Brille. Dein Gegenüber erscheint makellos, Fehler werden ausgeblendet, und du bist ständig auf Wolke sieben. Diese Phase ist geprägt von intensiver Sehnsucht, dem Wunsch nach Nähe und dem Gefühl, endlich angekommen zu sein. Manchmal ist es auch die Zeit des „Love Bombings“, in der alles perfekt scheint.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Welche war die aufregendste Erinnerung an dein erstes Verliebtsein? Was hat dich damals am meisten fasziniert?


Phase 2: Die Zustimmung zur Beziehung – Der Schritt ins „Wir“


Aus dem anfänglichen Rausch entwickelt sich oft der Wunsch nach mehr. Du spürst eine tiefere Verbindung, das Verliebtsein weicht einem Gefühl von Zuneigung und Vertrauen. In dieser Phase triffst du und dein Partner die bewusste Entscheidung, eine Beziehung einzugehen. Das „Ich“ weicht einem „Wir“. Ihr definiert euch als Paar, macht eure Beziehung vielleicht öffentlich, und ihr beginnt, eine gemeinsame Zukunft zu imaginieren. Jetzt geht es nicht mehr nur um das Verliebtsein in ein Idealbild, sondern um das Kennenlernen des echten Menschen mit all seinen Facetten. Konflikte tauchen vielleicht zum ersten Mal auf, und ihr lernt, wie ihr damit umgeht.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Was war für dich der Moment oder die Erkenntnis, in der du wusstest, dass du eine feste Beziehung eingehen möchtest?


Phase 3: Die feste Partnerschaft – Aufbau von Vertrauen und Intimität


Nach der Anfangseuphorie und der bewussten Entscheidung, eine Beziehung zu führen, tritt die Liebe in eine tiefere, oft weniger spektakuläre, aber umso stabilere Phase ein: die feste Partnerschaft. Das Feuerwerk mag abgeklungen sein, aber die Glut ist heißer und beständiger geworden. Hier geht es um den Aufbau von echtem Vertrauen, tiefer Intimität und Verständnis. Ihr teilt nicht nur die schönen Momente, sondern auch die Herausforderungen des Alltags, Sorgen und Ängste. Es geht darum, ein Team zu sein, gemeinsam Ziele zu verfolgen und sich gegenseitig Halt zu geben. Diese Phase erfordert Kommunikation, Kompromissbereitschaft und die Fähigkeit, den anderen so zu lieben, wie er ist – nicht nur das Idealbild, sondern den ganzen Menschen. Man lernt, Konflikte konstruktiv zu lösen und die „Liebe im Alltag“ zu leben.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Welchen gemeinsamen Moment oder welche Erfahrung schätzt du in deiner Partnerschaft am meisten, weil sie euch als Team gestärkt hat?

Liebe ist Arbeit: Die Herausforderungen meistern und persönlich wachsen


Während die ersten Phasen der Liebe von einem Gefühl der Leichtigkeit getragen sein mögen, zeigt sich die wahre Tiefe einer Beziehung in der Bereitschaft, Arbeit in sie zu investieren. Liebe ist kein statischer Zustand, sondern ein lebendiger Organismus, der Pflege braucht.

Das bedeutet, dass eine Partnerschaft neben all den schönen Momenten auch ihre Herausforderungen hat – Seiten, die weniger glänzend, aber umso wichtiger für das Wachstum sind.

  • Der Umgang mit Konflikten: Wo zwei Menschen auf engstem Raum leben und ihre Leben teilen, sind Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich. Die „Arbeit“ besteht hier darin, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern sie konstruktiv anzugehen. Das bedeutet, zuzuhören, die Perspektive des anderen zu verstehen, Kompromisse zu finden und auch mal zuzugeben, wenn man im Unrecht war. Es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern eine gemeinsame Lösung zu finden, die die Beziehung stärkt.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Erinnere dich an einen Konflikt, den du erfolgreich gelöst hast. Was hast du dabei über dich oder deinen Partner gelernt?

  • Routine und Alltag trotzen: Die aufregende Phase der Verliebtheit weicht dem gemeinsamen Alltag. Hier zeigt sich, wie stark die Basis ist. Die „Arbeit“ ist es, die Routine nicht zur Langeweile werden zu lassen, bewusst gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, die Wertschätzung füreinander zu zeigen und die Liebe auch in den kleinen Dingen des täglichen Lebens zu pflegen.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Was ist eine kleine, bewusste Geste, die du in den letzten Tagen für deinen Partner getan hast, um ihm Wertschätzung zu zeigen?

Persönliches Wachstum zulassen (und fördern): Du und dein Partner werdet euch im Laufe der Beziehung weiterentwickeln. Manchmal wächst man auseinander, manchmal aufeinander zu. Die „Arbeit“ besteht darin, sowohl die eigene individuelle Entwicklung als auch die des Partners zu unterstützen, auch wenn das bedeutet, alte Gewohnheiten oder Komfortzonen zu verlassen. Es geht darum, dem anderen Raum zu geben und gleichzeitig die gemeinsame Verbindung zu stärken.

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Welchen Aspekt deines Charakters oder deiner Persönlichkeit hast du durch deine Beziehung weiterentwickelt?

Gerade diese nicht so schönen Seiten – Meinungsverschiedenheiten, Langeweile, persönliche Veränderungen – sind die Katalysatoren für tiefgreifende persönliche Entwicklung. Sie lehren uns Geduld, Empathie, Kompromissbereitschaft und Selbstreflexion. Jede Herausforderung, die ihr als Paar meistert, macht nicht nur eure Bindung stärker, sondern auch dich als Individuum reifer und weiser. Die Liebe in einer festen Partnerschaft ist somit ein ständiger Prozess des Lernens und Wachsens, der dich und deinen Partner auf eine einzigartige Weise formt.


Phase 4: Die Heirat und die Herausforderung der Familie – Liebe im stetigen Wandel


Für viele Paare ist die Heirat der Höhepunkt dieser Entwicklung. Sie ist mehr als nur ein juristischer Akt; sie ist ein öffentliches Bekenntnis, ein Versprechen für die Zukunft, ein symbolischer Akt, der die Tiefe und Beständigkeit eurer Liebe bekräftigt. Die Ehe ist der Ausdruck des tiefen Vertrauens, dass ihr gemeinsam alle Höhen und Tiefen meistern werdet.
Doch auch nach dem Ja-Wort bleibt die Liebe in Bewegung. Eine Heirat bedeutet keineswegs das Ende der persönlichen Weiterentwicklung oder der Entwicklung der Liebe. Ganz im Gegenteil: Mit der Ehe beginnt oft eine neue, intensive Phase der Transformation, insbesondere wenn Kinder geboren werden. Die Ankunft eines Kindes stellt das Leben beider Personen, individuell und als Paar, auf den Kopf. Die Prioritäten verschieben sich, die Rollen ändern sich, und Schlafentzug, neue Verantwortlichkeiten sowie die Freude und Herausforderungen der Elternschaft prägen den Alltag. Aus einem Duo wird ein Trio, und die Liebe nimmt neue Züge an – sie wird reifer, bedingungsloser und oft auch stärker, aber gleichzeitig auch anspruchsvoller.
Mit jedem Lebensabschnitt des Kindes – vom Säugling zum Kleinkind, vom Schulkind zum Teenager und schließlich zum Erwachsenen – kommen weitere Veränderungen und Anpassungen auf euch als Eltern und als Paar zu. Diese Phasen bringen neue Freuden, aber auch neue Konflikte und Belastungen mit sich.

Das Zeitmanagement wird zur Kunst, die Kommunikation muss präzise sein, und die Zeit füreinander als Paar kann zur Rarität werden. Es ist eine fortwährende Herausforderung, die Balance zwischen Elternschaft und Partnerschaft zu finden und die romantische Liebe nicht unter der Last der Verantwortung zu begraben.

Es ist wichtig anzuerkennen, dass diese tiefgreifenden Veränderungen nicht immer positiv enden müssen. Die Belastungen können so groß werden, dass Paare daran zerbrechen, wenn die gemeinsame „Arbeit“ und Anpassungsfähigkeit fehlen. Doch für diejenigen, die bereit sind, diese neuen Facetten der Liebe anzunehmen, gemeinsam zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen, bedeutet jede neue Phase eine weitere Vertiefung ihrer Bindung und eine immense persönliche Reifung

Deine Aufgabe zum Nachdenken: Was bedeutet für dich persönlich das Konzept der Ehe oder einer lebenslangen Partnerschaft, besonders im Hinblick auf zukünftige Veränderungen wie das Elternsein?


Die Liebe aktiv pflegen: Dein Werkzeugkasten für eine dauerhafte Partnerschaft


Eine langfristige Liebe ist wie ein Garten: Sie braucht ständige Pflege, damit sie blühen kann. Hier sind einige grundlegende Werkzeuge, die dir und deinem Partner helfen, eure Bindung zu stärken, auch wenn der Alltag herausfordernd wird:

  • Regelmäßige und offene Kommunikation: Das ist das A und O. Sprich offen über deine Gefühle, Bedürfnisse und Ängste. Höre deinem Partner aktiv zu, ohne zu unterbrechen oder sofort zu urteilen. Verstehe, dass es nicht darum geht, wer „Recht“ hat, sondern darum, einander zu verstehen. Legt bewusst Zeiten fest, in denen ihr ohne Ablenkung miteinander redet.

Deine Aufgabe: Plant diese Woche einen „Rede-Abend“, bei dem ihr beide aktiv zuhört und über eure Gefühle sprecht, ohne Lösungssuche.

  • Gemeinsame Zeit bewusst gestalten: Auch wenn der Alltag hektisch ist, nehmt euch Zeit füreinander. Das muss nicht immer ein teures Dinner sein; ein gemeinsamer Spaziergang, ein Abendessen zu zweit zu Hause oder ein Hobby, das ihr teilt, kann Wunder wirken. Es geht darum, Momente zu schaffen, in denen ihr euch wieder als Paar spürt.

Deine Aufgabe: Sucht euch gemeinsam eine Aktivität für nächste Woche aus, die nur euch beiden gehört und die euch Freude macht.

  • Wertschätzung ausdrücken: Sage und zeige deinem Partner regelmäßig, dass du ihn schätzt. Anerkennung und Dankbarkeit sind der Treibstoff für jede Beziehung. Kleine Gesten, Komplimente oder ein einfaches „Ich liebe dich“ können den größten Unterschied machen.

Deine Aufgabe: Mache deinem Partner heute ein aufrichtiges Kompliment oder schreibe eine kurze Nachricht, in der du deine Wertschätzung ausdrückst.

  • Probleme als Team angehen: Wenn Herausforderungen auftauchen, seht sie als gemeinsame Aufgaben an, die ihr zusammen lösen könnt, nicht als gegenseitige Schuldzuweisung. „Wir gegen das Problem“ statt „Ich gegen dich“.

Deine Aufgabe: Wenn das nächste Problem auftaucht, vereinbart, dass ihr erst die Ursachen besprecht, bevor ihr Lösungen sucht, und betont, dass ihr im selben Boot sitzt.

  • Vergebung und Empathie üben: Niemand ist perfekt. Fehler passieren. Die Fähigkeit, zu vergeben – sowohl dem Partner als auch dir selbst – ist entscheidend. Versuche, die Situation aus der Perspektive deines Partners zu sehen, auch wenn du nicht einverstanden bist.

Deine Aufgabe: Überlege, wann du das letzte Mal vergebend warst (mit dir oder deinem Partner) und wie sich das angefühlt hat.



Fazit: Liebe ist eine Reise und eine fortwährende Schöpfung


Die Reise der Liebe in einer Paarbeziehung ist niemals statisch. Sie ist ein ständiges Wachsen, Anpassen und Vertiefen. Jede Phase hat ihre eigenen Herausforderungen und Schönheiten. Wichtig ist, dass du und dein Partner bereit seid, gemeinsam durch diese Phasen zu gehen, offen zu kommunizieren und die Liebe immer wieder bewusst zu pflegen.

Denn wahre Liebe ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein Weg, den man gemeinsam geht – mit all seinen Veränderungen, Überraschungen und der bewussten „Arbeit“, die sie zu einer Quelle unendlicher persönlicher Entwicklung macht.


Wenn die Wolken aufziehen:

Der konstruktive Umgang mit Beziehungsproblemen und Konflikten


In unseren bisherigen Beiträgen haben wir die vielen Facetten der Liebe beleuchtet: Wir haben uns von der Illusion des „einen Seelenpartners“ verabschiedet, die prägenden Spuren unserer Bindungsstile erkannt, die heimlichen Architekten unserer Erwartungen entlarvt und gelernt, wie wir Liebe in verschiedenen Sprachen ausdrücken können.

Doch selbst mit all diesem Wissen wird keine Beziehung völlig reibungslos verlaufen. Wo Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Vorstellungen und Eigenheiten aufeinandertreffen, sind Konflikte und Probleme unvermeidlich. Sie sind kein Zeichen für das Scheitern einer Beziehung, sondern eine natürliche und sogar notwendige Begleiterscheinung. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob Konflikte auftreten, sondern wie wir mit ihnen umgehen.

Oft sind Beziehungsprobleme genau die Stellen, an denen unsere unverarbeiteten Erwartungen, unsere Bindungsängste oder ungesprochenen Liebessprachen zutage treten. Ein schlecht gelöster Konflikt kann eine tiefe Narbe hinterlassen, während ein konstruktiv gelöster Konflikt eine Beziehung festigen und vertiefen kann.

Die typischen Fallen im Konflikt:


Bevor wir zu den Lösungen kommen, lohnt sich ein Blick auf Verhaltensweisen, die Konflikte eskalieren lassen oder ungelöst lassen:

  • Vermeidung: Probleme werden unter den Teppich gekehrt, aus Angst vor Streit oder Ablehnung. Das führt zu Groll und Distanz.
  • Angriff und Schuldzuweisung: Statt das Problem zu benennen, wird der Partner persönlich angegriffen oder beschuldigt („Du bist immer…“, „Du machst nie…“).
  • Verteidigung: Statt zuzuhören, gehen wir sofort in die Verteidigung, rechtfertigen uns oder greifen zurück an.
  • Mauern: Einer oder beide Partner ziehen sich emotional zurück, stellen den Kontakt ein oder verweigern das Gespräch.
  • Geringschätzung/Verachtung: Sarkasmus, Spott oder abfällige Kommentare sind Gift für jede Beziehung und zerstören den Respekt.

Der Weg zu konstruktiver Konfliktlösung: Die Säulen der Stärke


Wenn Konflikte nicht vermieden werden können (und auch nicht sollten), wie gehen wir dann richtig damit um?

  • Das richtige Timing und der richtige Ort:
    Wähle einen Zeitpunkt, an dem beide entspannt sind und ungestört sprechen können. Vermeide Konfliktgespräche, wenn du oder dein Partner hungrig, müde, gestresst oder unter Zeitdruck seid. Ein neutraler, ruhiger Ort ist ebenfalls hilfreich.
  • Fokus auf das Problem, nicht auf die Person:
    Sprich in Ich-Botschaften. Beschreibe, wie du dich fühlst und welche Auswirkungen das Verhalten des anderen auf dich hat, anstatt den Partner zu beschuldigen.

Schlecht: „Du bist so rücksichtslos, du räumst nie auf!“

Gut: „Ich fühle mich überfordert, wenn die Wohnung unordentlich ist, weil ich dann das Gefühl habe, alles allein machen zu müssen.“

  • Zuhören statt nur zu warten, bis man reden kann:
    Übe aktives Zuhören. Das bedeutet, wirklich zu verstehen, was der Partner sagt und fühlt, anstatt nur darauf zu warten, selbst sprechen zu können. Wiederhole im Zweifelsfall, was du verstanden hast („Habe ich richtig verstanden, dass…“), um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Validierung der Gefühle:
    Auch wenn du die Perspektive des Partners nicht teilst, kannst du seine Gefühle anerkennen. „Ich kann verstehen, dass dich das frustriert“ oder „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst“ kann die Spannung enorm reduzieren, auch wenn ihr noch keine Lösung habt.
  • Pausen einlegen, wenn es eskaliert:
    Wenn die Emotionen zu hochkochen, ist es besser, eine Pause zu vereinbaren. „Ich merke, ich werde gerade zu wütend, um klar zu denken. Lass uns in 30 Minuten oder in einer Stunde weitersprechen.“ Nutze die Pause, um dich zu beruhigen (z.B. durch Spazierengehen, Atmen), nicht um den Konflikt weiter anzuheizen.
  • Kompromissbereitschaft und gemeinsame Lösungsfindung:
    Eine Lösung muss oft nicht bedeuten, dass einer gewinnt und der andere verliert. Suche nach Win-Win-Situationen, in denen die Bedürfnisse beider Partner so weit wie möglich erfüllt werden. Manchmal ist der Kompromiss die stärkste Form der Liebe.
  • Nach dem Konflikt: Reparaturversuche und Neubeginn
    Genauso wichtig wie der Konflikt selbst ist das, was danach passiert. Zeigt euch gegenseitig, dass die Beziehung wichtiger ist als der Streit. Das kann eine Umarmung sein, ein entschuldigendes Wort oder eine kleine Geste der Zuneigung. Das hilft, die Bindung wiederherzustellen und zu zeigen, dass ihr trotz des Streits zusammengehört.

Konflikte sind unvermeidlich, aber sie müssen nicht destruktiv sein. Indem wir lernen, sie als Chancen für Wachstum und tiefere Verbindung zu sehen, verwandeln wir sie von Bedrohungen in Brücken. Es ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, um eine dauerhaft sichere und erfüllende Partnerschaft aufzubauen – eine, die auch dann standhält, wenn die Wolken aufziehen.

Welche der genannten Strategien findest du am hilfreichsten, und welche fällt dir persönlich am schwersten im Umgang mit Konflikten? Teile deine Gedanken in den Kommentaren!


Objekt-Beziehungen – Gerald Hüther

Um was geht es in den meisten Beziehungen ?

Leider leben die meisten Menschen in Objekt-Beziehungen, weil sie glauben, dass der andere so sein soll, wie sie es von dem anderen verlangen.

Aber in der Liebe geht es nicht darum, andere nach unserer Vorstellung zu formen.

Nicht die andere Person macht uns glücklich, sondern wir selbst sind dafür verantwortlich wirklich glücklich zu werden. Deshalb ist es so wichtig das richtige Selbstbewusstsein zu entwickeln.