Nur wer arbeitet, hat eine Lebensberechtigung. Das ist nicht mehr pietistisch oder christlich, sondern faschistisch. Arbeit ist unser neuer Führer, unsere neue Religion, auch wenn sie sinnentleert, entfremdet und nutzlos ist. Es muss gearbeitet werden, und zwar immer.
(Franzobel Alias Franz Stefan Griebl)
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und wir definieren uns über unsere Arbeit. Wir bewerten uns und andere über die Art und Weise wie wir unser Geld verdienen.
Das Mantra unserer Zeit lautet: Ich arbeite, also bin ich.
Wir werden schon in der Schule als Arbeitstiere herangezüchtet, ein eigenständiges Denken wird uns aberlernt. Ja, ich behaupte, dass wir von unserem eigentlichen Sein entwurzelt werden. Wir werden zu einem Einheitsmenschen herangezüchtet. Andersartigkeit wird als Krankheit eingestuft und muss mit Medikamenten behandelt werden, das lebendige Potenzial wird unterdrückt.
Die Arbeit ist zum Mittelpunkt unseres Lebens geworden, sie bestimmt unseren sozialen Stellenwert. Ja, es gibt kaum noch ein Ausserhalb der Arbeit. Wir arbeiten nicht mehr um zu leben, sondern leben nur noch um zu arbeiten.
Um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, nein, ich spreche nicht von zwischenmenschlichen Bedürfnisse, sondern von Bedürfnisse materieller Art, sind wir gezwungen Geld zu verdienen, zu arbeiten. So werden wir zum Sklaven der Arbeit und werden zu Zwangsarbeiter. Wir gehören der Wirtschaft, Gelder müssen fliessen, nur wenn wir der Wirtschaft dienen, haben wir eine Lebensberechtigung.
Doch was passiert wenn wir den gesellschaftlichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden können? Nein, ich spreche nicht davon, dass man sich willentlich nicht versklaven möchte, sondern davon, was passiert, wenn man krank oder alt wird.
Dann lässt diese Gesellschaft uns, die alles für den wirtschaftlichen Aufschwung gegeben haben, einfach fallen, wir werden unbrauchbar für diese Gesellschaft, die nur noch auf wirtschaftlichen Wachstum getrimmt ist.
Frag dich mal selbst: Welchen Stellenwert haben kranke oder alte Menschen in der Gesellschaft?
Politik, Wirtschaft, Massenmedien, Schulen und Kirchen arbeiten zusammen um uns Arbeiter von ihren Ideen und Vorteilen zu überzeugen. Es beginnt schon in frühster Kindheit und zieht sich durch unser ganzes Leben. Schon kurz nach der Geburt, soll das Kind in staatlich kontrollierte Kindertagesstätte. Damit die Mutter schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Tja und das Kind wird schnell an ein angepasstes Leben gewöhnt. Nur nicht aus der Rolle fallen, heisst die Devise. Einmal unter staatlicher Kontrolle, werden wir zu Einheitsmenschen herangezüchtet, ohne Recht an eigener Meinung oder Interessen.
Im Grunde fühlt man jetzt, beim Anblick der Arbeit,…( ) dass eine solche Arbeit die beste Polizei ist, dass sie jeden im Zaume hält und die Entwicklung der Vernunft, der Begehrlichkeit des Unabhängigkeitsgelüstes kräftig zu hindern versteht. Denn sie verbraucht ausserordentlich viel Nervenkraft und entzieht dieselbe dem Nachdenken, Grübeln, Träumen, Sorgen, Lieben, Hassen. (Friedrich Nietzsche)

Ein Gedanke zu „Ich arbeite, also bin ich“